«Freundlich» — an Flughäfen im Reisepreis nicht inklusive
26.11.2009 22:19 Uhr; Tourismus; Pressemeldung ID: #794
Irina P. ist Schweizer Staatsbürgerin mit Schweizer Reisepass und wollte eigentlich nur mit der Air France aus Santa Domingo via Paris in die Schweiz zurückreisen, wo ihr Mann sie bereits erwartete. Das klingt erst einmal relativ problemlos. Für Irina P. wurde die Sache aber zum Horrortrip. Mit dem Hinweis, ihr Passfoto würde nicht mit ihrem tatsächlichen Aussehen übereinstimmen, hielt man sie mehrere Stunden in Frankreich fest, brachte sie dort zur scheinbar zuständigen Behörde für Migration und plante, sie nach Santa Domingo abzuschieben und dies ohne Rücksprache mit einer schweizerischen Amtstelle. In der Zeit, in der man sie in Frankreich festhielt, legte man ihr ein Schreiben zur Unterschrift vor, mit dem sie bestätigen sollte, die Einreise in die Europäische Union mit ungültigen Papieren versucht zu haben. Glücklicherweise wendete sich der Ehemann von Irina P. an die schweizerische Botschaft in Paris, wo er sich über das willkürlichen Verhalten der französischen Beamten beschwerte. Erst als die schweizerische Botschaft intervenierte, durfte Irina P. nach mehreren Stunden Haft weiterreisen.
Irina P. ist ebenso verärgert wie ihr Mann und man kann es verstehen. Die Frage bleibt, ob es sich hier um einen bedauerlichen Einzelfall handelt oder ob solche Fälle sich eventuell häufen? Einige Indizien dafür gibt es, nicht nur aus Frankreich. So beauftragte etwa der deutsche Nachrichtensender n-tv das Deutsche Institut für Service-Qualität (Hamburg), einmal die zehn grössten deutschen Flughäfen genau unter die Lupe zu nehmen. Über das Ergebnis berichtete die Onlineausgabe der Zeitung „Welt“ am 29. Januar 2009. Grösste Defizite, so der Geschäftsführer des Instituts für Servicequalität, wären bei der „Freundlichkeit und Motivation des Servicepersonals“ erkennbar gewesen. Möglicherweise scheinen derartige Defizite also kein Einzelfall zu sein und auch nicht allein Mitarbeiter der Passkontrolle zu betreffen. Dann wäre es wohl an der Zeit, hier einiges zu ändern.
Unangenehme Einreisemodalitäten nicht nur in Frankreich
Bereits 2007 führte das Unternehmen "Discover America Partnership" eine Studie durch, bei der 2.000 Urlauber aus der ganzen Welt befragt wurden, in welchem Land die Einreisebedingungen besonders unangenehm seien. 39 Prozent der Befragten nannten damals die USA, so die Rheinische Post aus Deutschland am dreizehnten Juni 2007: Strenge Kontrollen an den Flughäfen, lange Prozeduren bis zur Einreise und lästige Bestimmungen des Zolls wurden damals als Gründe genannt. Europas Länder schnitten bei dieser Studie relativ gut ab. Immerhin sechs Prozent der Befragten gaben an, eins der europäischen Länder als einreiseunfreundlich erlebt zu haben. Mit Irina P. dürfte jetzt ein weiterer Mensch dazugekommen sein.
Gefühlt wie eine Schwerverbrecherin
„Ich habe mich gefühlt wie eine Schwerverbrecherin“, sagt Irina P, „und während der gesamten Zeit, in der man mich festhielt, durfte ich nur eine einzige Person anrufen“. Sie glaubt zwar nach wie vor, dass nicht alle Flughäfen und auch nicht alle Mitarbeiter der französischen Passkontrolle über einen Kamm geschoren werden können. Vorsorglich hat sie sich aber dennoch dafür entschieden, zukünftig — wann immer möglich — von Zürich oder Genf aus ins Ausland zu fliegen. Hier, so hofft sie, wird ihr so etwas als Schweizer Staatsbürgerin nicht passieren. Hoffen wir einmal, dass sie da richtig liegt.
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